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News 2019

14. April 2019

Neue Technik und Taktik für die Brandbekämpfung

Neue Technik und Taktik für die Brandbekämpfung

Ein 30 m C-Schlauch mit angekoppeltem Hohlstrahlrohr, ein mit 2 C-Schläuchen und einem angeschlossenem Absperrorgan gefüllter Schlauchtragekorb, ein mobiler Rauchverschluss und ein Drucklüfter sind die Basis für unsere neue Vorgehensweise bei der Gebäudebrandbekämpfung. Der ein oder andere wird sich fragen was genau daran neu sein soll, gerade der Drucklüfter wird in den meisten Feuerwehren bereits seit vielen Jahren eingesetzt. Das stimmt natürlich und wir haben auch sicherlich nicht das Rad neu erfunden, für uns ist es jedoch erst seit dem Erhalt unseres neuen Löschgruppenfahrzeug (LF 20) möglich diese Sachen mitzuführen. Und dies ist ab sofort der Fall!

Glücklicherweise sind Gebäudebrände bei uns eher selten. Die meisten unserer Einsätze liegen im Bereich der technischen Hilfeleistung und wenn es Brandeinsätze gibt handelt es sich größtenteils um Vegetationsbrände. Warum also nicht von denen lernen, die quasi täglich Gebäudebrände haben? So haben wir uns beim Thema Gebäudebrandbekämpfung mal bei der Berufsfeuerwehr umgesehen und eine für unsere Einsätze angepasste Technik und Taktik eingeführt.

Die größte Gefahr bei einem Brand stellen die Rauchgase dar, aus diesem Grund wurden inzwischen in allen Bundesländern eine Rauchmelderpflicht eingeführt (mehr über Rauchwarnmelder erfahren). Um im Falle eines Brandes eine Rauchausbreitung auf bisher nicht betroffene Bereiche zu verhindern, haben wir uns einen mobilen Rauchverschluss angeschafft. Dieser kann von einer Person im Rahmen der Tür zur Brandwohnung oder zum Brandraum angebracht werden und verhindert so die Rauchausbreitung. In einem Mehrfamilienhaus können so gegebenenfalls andere Personen über den Treppenraum nach Außen geführt werden, ohne durch einen verrauchten Treppenraum zu müssen. Sollte es beispielsweise in einem Einfamilienhaus zu einem Zimmerbrand kommen, kann so einen Rauchausbreitung auf die weiteren Räume verhindert werden. Dies alles hilft bei der Brandbekämpfung und reduziert die Schäden im Gebäude.

Bei den meisten Häusern in unserem Ort handelt es sich um Einfamilienhäuser. Es gibt jedoch auch kleinere Mehrfamilienhäuser, welche über einen notwendigen Treppenraum verfügen. Außerdem fahren wir natürlich auch in andere Ortsteile, in denen es zahlreiche Mehrfamilienhäuser gibt. Besonders für den Wohnungsbrand in einem Mehrfamilienhaus ist unser Schlauchtragekorb, in dem sich zwei 15 m C-Schläuche befinden, gedacht. Zwischen den beiden C-Schläuchen ist ein Absperrorgan angeschlossen, an welchem eine Bandschlinge mit Karabiner angebracht ist. Im Falle eines Wohnungsbrandes wird der C-Schlauch des Schlauchtragekorbes an den vor der Hauseingangstür abgelegten Verteiler angeschlossen und anschließend bis kurz unterhalb der Brandwohnung vorgegangen. Bei der bei uns vorherrschenden Bebauung reicht in den meisten Fällen ein C-Schlauch, weswegen das Absperrorgan zwischen den beiden Schläuchen angebracht ist. Der zweite Schlauch ist als Reserve gedacht. Mit Hilfe der Bandschlinge und dem Karabiner kann der C-Schlauch am Treppengeländer festgemacht werden und gegen Wegrutschen gesichert werden. Der Angriffstrupp gibt nun das Kommando um das Wasser bis zum Absperrorgan zu bekommen.

Jetzt folgt unser Schlauchpaket, welches aus einem 30 m C-Schlauch mit angekoppeltem Hohlstrahlrohr besteht. Das Schlauchpaket wird vor der Brandwohnung abgelegt und dort an das Absperrorgan angeschlossen. Der Angriffstrupp füllt das Schlauchpaket anschließend durch das Öffnen des Absperrorgans. Der 30 m Schlauch füllt sich und bildet einen Kreis und kann bei Bedarf anschließend senkrecht aufgestellt werden. Auf diese Weise bleibt fast der komplette Treppenraum frei und es bildet sich keine Stolperfalle für zu rettende Personen oder die Einsatzkräfte. Die Vornahme des Schlauches in die Brandwohnung ist wesentlich leichter als bei in Buchten gelegten Schläuchen. Zu der Schlauchlänge von 30 m muss man noch eine Wurfweite von knapp 10 m hinzuaddieren, womit eine Eindringtiefe von 40 m erreicht wird. Dies dürfte für die meisten Wohnungen mehr als ausreichend sein. Ein eventuelles Hängenbleiben an Türrahmen, welches bei der Verwendung von 2 C-Schläuchen meistens passiert, wird durch die Verwendung eines Schlauches ausgeschlossen. Bei einem Brand in einem Einfamilienhaus wird auf den Schlauchtragekorb verzichtet und der das Schlauchpaket direkt an der vor der Eingangstür liegenden Verteiler angeschlossen. Auch hier dürften die 40 m Eindringtiefe nahezu überall ausreichend sein.

Unterstützt wird die Brandbekämpfung zusätzlich durch die Verwendung eines Drucklüfters. Dieser wird 90 Grad zur Hauseingangstür in Stellung gebracht und dort im Standgas stehengelassen. Nach Schaffung einer ausreichenden Ausgangsöffnung wird er auf die Hauseingangstür gedreht und die Leistung entsprechend erhöht. Auf diese Weise können der Treppenraum oder andere Bereiche von Rauch befreit oder rauchfrei gehalten werden. Außerdem kann der Angriffstrupp durch das Abführen des Rauches und der Wärme wesentlich effektiver arbeiten und so den Brand schneller löschen.

In den Ausbildungsdienste der letzten Wochen behandelten wir die Anwendung der verschiedenen Geräte und testeten die angedachten Vorgehensweisen. So fuhren wir beispielsweise am 29. März nach Brusendorf, um dort in dem neuen Ausbildungscontainer der Stadt Mittenwalde zu üben. Diesen hat die Feuerwehr Brusendorf angeschafft und in – wie sie sagen – Ausbaustufe 1 in Betrieb genommen. Hier konnten wir das Setzen des mobilen Rauchverschlusses und die Türöffnungsprozedur üben. Am vergangenen Freitag übten wir dann mehrmals den kompletten Aufbau bei uns an der Garage. Die anwesenden Mitglieder waren sich anschließend einstimmig einig, dass die neue Technik und Taktik eine wesentliche Verbesserung darstellen. Den Rest wird nun die Praxis zeigen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Björn D. aus Brusendorf, welcher uns bei der Ausbildung am Übungscontainer unterstützte. Außerdem möchten wir uns bei Georg L. aus Töpchin für die Unterstützung bei der Anwendung des mobilen Rauchverschlusses und des Schlauchpaketes bedanken.

Eins noch zum Abschluss. Dies alles ist kein Dogma, sondern beschreibt einen Standardfall, von dem der Einsatzleiter situationsbedingt jederzeit abweichen kann. Ebenso werden wir dies alles immer wieder anpassen und für unsere Anforderungen weiterentwickeln. In unseren Ausbildungen hatten wir bisher sehr gute Erfahrungen gemacht und sind nun gespannt ob es sich auch in der Praxis bewährt.


Bildergalerie Neue Technik und Taktik für die Brandbekämpfung

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